Viele CarHiFisti meinen, daß eine vernünftige Anlage nur mit armdicken Stromkabeln machbar wäre, weil sonst viel zu viel Leistung verloren ginge. Ich habe auch schon Ammenmärchen von abbrennenden Autos etc. gehört. Hier mal eine kleine Abhandlung von mir zu diesem Thema. Ich habe diese Berechnungen schon des öfteren hier im Forum vorexerziert, werde aber nach Möglichkeit noch ein wenig mehr ins Detail gehen.
Eines noch vorweg: Ich halte mich an die Physik und nicht an den weit verbreiteten Glauben an Effekte.
Was haben wir eigentlich bei einer CarHiFi-Verkabelung vorliegen? Es handelt sich vereinfacht gesagt um einen Stromkreis mit einer Spannungsquelle, einem Leiter zu einem Verbraucher (Endstufe) und einem Leiter zurück zur Spannungsquelle (meist ein Starterakku). In dem Stromkreis ist ein Widerstand in Form einer Sicherung eingebaut auf den ich am Ende eingehen möchte.
In der Regel wird eine solche Verkabelung so ausgeführt, daß man ein Pluskabel von ca. 5m Länge vom Akku im Motorraum in den Kofferraum gelegt wird. Der Akku besitzt ein ca. 50cm langes Kabel zur Karosserie, hinten Im Kofferraum wird die Endstufe mit ca. 1m Kabel an der Karosserie befestigt. Unser Leiter besitzt in der Regel also eine Länge von 6,5m. Da der Leiter, die Stecker (Übergang) sowie die Sicherung einen Widerstand aufweisen, liegt an der Endstufe nicht dieselbe Spannung an, wie man sie direkt vorne an dem Akku abgreifen könnte.
Alle diese Widerstände addieren sich. Ich gehe erstmal auf den Kabelwiderstand ein, die anderen Einflüsse erläutere ich in einem weiteren Beitrag.
Der Widerstand eines Leiters ist proportional zu seiner Länge (l) und umgekehrt proportional zur Querschnittsfläche. Er hängt von einem Faktor ab, der sich spezifischer Widerstand nennt und eine Materialkonstante ist. Hier ein paar spezfische Widerstände (in Ohm*mm²/m bei 20°C):
Silber: 0,016
Kupfer: 0,018
Gold: 0,022
Eisen: 0,1
Platin: 0,106
Das bedeutet, daß ein Kupferleiter mit 1mm² Querschnitt und 1m Länge 0,018 Ohm Widerstand hat. Gold ist wie man sieht also ein schlechterer Leiter als Kupfer, Silber ist einen Hauch besser.
Um nun auszurechnen, wieviel Leistung man durch den Kabelwiderstand verliert, muß man wissen, welcher Strom durch den Leiter fliesst.
Dazu kann man die RMS-Leistung einer Endstufe zur Rate ziehen. Diese gibt quasi die machbare Ausgangsleistung für einen gewissen Zeitraum an. Nehmen wir für meine Berechnungen mal analoge Endstufen mit 300, 500 und 1000W RMS an. Rein theoretisch würde bei einem mittelmässigen Wirkungsgrad von 60% etwas weniger als die doppelte Eingangsleistung von Nöten sein, also 500, 830 und 1660 Watt. Da Leistung gleich Spannung mal Stromstärke ist und die maximalen Leistungen meist bei 14V (und höher) gemessen werden, nehmen wir mal 14V als Grundlage. Ergibt also 35, 60 und 120 Ampere theoretischer Spitzenstrom. Aaaaber: In der Realität werden diese Stromspitzen von internen Endstufenelkos um einiges verringert. Der tatsächliche Stromspitzenwert liegt also um einiges niedriger. Normale Endstufen können die kurzzeitig machbaren Leistungen auch garnicht dauerhaft bringen, da das Netzteil nicht ausreichend dimensioniert ist. Eine RMS-Angabe ist also meist ein Wert, der nicht unbedingt dauerhaft erreicht wird. Kurzum: Die Ströme, die bei normalem Musikgenuß, auch bei heftigeren Bassattacken fliessen werden liegen deutlich unter den erwarteten Werten. Messungen von mir haben ergeben, daß eher die Hälfte realistisch sind. Um aber hier den Worst-Case zu berechnen, nehme ich diese unrealistischen Werte an. tatsächlich wird der Leistungsverlust durch das Kabel bei Musik also noch deutlich geringer sein!
300 Watt Endstufe
Kabeldicke 6mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0195 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 35A = 0,7V
Leistungsverlust = ~24 Watt = 8%
Kabeldicke 10mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0117 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 35A = 0,4V
Leistungsverlust = ~14 Watt = 3%
Kabeldicke 16mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0073 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 35A = 0,25V
Leistungsverlust = ~9 Watt = 1,7%
Kabeldicke 25mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0046 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 35A = 0,16V
Leistungsverlust = ~6 Watt = 1%
Kabeldicke 50mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0023 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 35A = 0,08V
Leistungsverlust = ~3 Watt = 0,5%
500 Watt Endstufe
Kabeldicke 6mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0195 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 60A = 1,17V
Leistungsverlust = ~70 Watt = 8,4%
Kabeldicke 10mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0117 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 60A = 0,7V
Leistungsverlust = ~42 Watt = 5%
Kabeldicke 16mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0073 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 60A = 0,7V
Leistungsverlust = ~26 Watt = 3%
Kabeldicke 25mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0046 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 60A = 0,28V
Leistungsverlust = ~18 Watt = 2%
Kabeldicke 50mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0023 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 60A = 0,14V
Leistungsverlust = ~9 Watt = 1%
1000 Watt Endstufe
Kabeldicke 6mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0195 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 120A = 2,34V
Leistungsverlust = ~280 Watt = 17%
Kabeldicke 10mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0117 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 120A = 1,40V
Leistungsverlust = ~168 Watt = 10%
Kabeldicke 16mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0073 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 120A = 0,88V
Leistungsverlust = ~105 Watt = 6%
Kabeldicke 25mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0046 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 120A = 0,55V
Leistungsverlust = ~66 Watt = 4%
Kabeldicke 50mm²:
Widerstand des Kabels (6,5m) = 0,0023 Ohm
Spannungsabfall im Kabel bei 120A = 0,28V
Leistungsverlust = ~24 Watt = 2%
Was sagen uns diese Zahlen. Ein Beispiel aus der Praxis: Ich will eine handelsübliche wirklich ordentliche Bassendstufe mit echten 300 Watt verkabeln. Nehme ich dazu 10mm² Kabel habe ich gegenüber einem 25er Kabel (wie so oft empfohlen) einen Leistungsverlust von 3% (!!!). Wenn man betrachtet, daß man ca. die doppelte Leistung braucht, um eine hörbare Lautstärkeänderung von 3db zu erreichen, sind 3% echt lächerlich. Da dürfte die Leistungsstreuung durch Bauteiltoleranzen innerhalb der im Regal liegenden Endstufen desselben Types größer sein!
Selbst ein 6mm² Kabel gegenüber einem 16er würde lediglich 5% verlieren, wäre also durchaus bei den Leistungen noch im Rahmen!
Nehmen wir eine analoge Endstufe, die ein echtes KW schiebt, dann würde selbst ich diese nicht unbedingt mit 6mm² verkabeln, aber der Unterschied zwischen 16er und 50er Kabel beträgt grade mal 4%. Und das sind Worst-Case Szenarien, beim Musikhören sind diese Unterschiede noch geringer und damit eigentlich völlig irrelevant.
Beim db-Drag geht es auch um Zehntel db, da können 3-4% durchaus einen Unterschied machen und da machen extremere Verkabelungen durchaus Sinn. Für den normalen Gebrauch sind sie eigentlich unnötig.
Die weiteren Einflüsse wie Übergangswiderstände und Sicherungen erläutere ich in einem anderen Beitrag, der hier wird sonst zu lang.
Gruß
Fabian
PS: Bitte erst mit einer Kabeldiskussion anfangen, wenn man meine anderen Beiträge in dieser Sektion dazu auch gelesen hat. Und bitte sachlich diskutieren, also Physik verwenden und keinen Glaubenskrieg anfangen. Diese hatten wir grade zu dem Thema schon sehr oft.
PPS: Ich habe übrigens einige Dinge stark vereinfacht, so habe ich für den Widerstand der Karosserie 0Ohm angenommen oder nicht eingerechnet, daß der Spannungsablfall ja auch zu einem Abfall der Leistung und damit des Stromes führt. Die Gleichung wird sonst etwas komplexer.