Hallo!
Wie ihr bestimmt gemerkt habt war ich die letzten 4 Wochen verschollen. Das lag daran, daß bei meinem Gölfchen der Motor die Grätsche gemacht hat. Vermutlich die Kolbendichtringe von Zylinder 2. Der Spaß hat mir den gesamten Motorraum mit 3 Litern Öl geduscht, der auch in den Ansaugtrakt gekommen ist, sodaß auch mein K&N Filter schön ölgetränkt war.
Ich war dann ja eine Weile auf der Suche nach nem neuen GTI aber sowas ist leider schwer zu finden. Ich könnte da so manchen Schwank erzählen, wie man versucht hat mich zu verarschen, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden.
Nachdem ich also keinen kompletten GTI gefunden habe bin ich bei meinen mehrtägigen Recherchen auf einen Schrottplatz in der Nähe des Bodensees aufmerksam geworden, die mir doch tatsächlich einen passenden Motor für mein Vehikel verkaufen konnten. 300,-€ inkl. Anlieferung war zudem noch ein guter Preis, zumal mir alle Schrottplätze in der Gegend hier und sogar im Frankfurter Raum keinen passenden verkaufen konnten. Mein Motor (Kennbuchstabe RD) ist leider nur ein Jahr lang gebaut worden und daher selten wie Sau. Naja. Ich habe mich also entschlossen den Motor zu wechseln.
Für Interessierte hab ich mal ein paar Fotos der Aktion kommentiert:
So sieht das normalerweise unter der Haube aus. Ein Gewirr von Schläuchen, Kabeln und Sensoren. Der Schmutz von 16 Jahren klebt überall und ist ja nochmal extra mit Öl geduscht worden, damit alles schön bappig ist. Wie man sieht hat die Lichtmaschine eine schöne Ladung abbekommen und mußte komplett auseinandergenommen und gereinigt werden.
Der ganze Kram sieht deswegen so unaufgeräumt aus, weil wir es hier mit einer Bosch KE-Jetronic Einspritzanlage zu tun haben, die halb mechanisch und halb elektrisch arbeitet. Das heißt im Gegensatz zur reinen K-Jettronic hat dieser Motor ein Motorsteuergerät, daß die Zündung regelt aber keine elektronisch gesteuerten Einspritzdüsen. Dafür brauchts aber dutzende Sensoren und Unterdruckschläuche, die auch alle verkabelt sein wollen.
Um keine Fehler beim Zusammenbau zu machen mußten all diese Schläuche, Kabel und Sensoren genau beschriftet werden.
Hier sieht man den Motor nach Entfernen der Anbauteile. Wer den Golf 2 kennt, weiß, daß es bisweilen recht eng unter der Haube zugeht. Hier ist jetzt wunderbar viel Platz, was nicht zuletzt daran liegt, daß einige Teile der Front bereits entfernt wurden.
Hier sieht man nochmal den beklagenswert nackten Motor. Versifft und zum Teil rostig. Auch sind Anlasser, Ausrückhebel und einiges anderes bös verrostet. Da muß ich später auf jeden Fall was dagegen tun. Drahtbürstenaufsatz für die Bohrmaschine und Lack warten schon.
Das ist das Schaltgestänge. Daß dieser rostige Kram überhaupt noch funktioniert hat wunderte mich stark.
So siehts vorne aus, wenn der Motor raus ist. Inzwischen war auch der neue Motor angekommen und wartete auf seine Behandlung.
Raus bekommen hab ich den Motor indem ich alle Querträger vorne demontiert habe und den Motor auf ein Rollbrett abgelassen hab. So konnte ich ihn alleine bequem nach vorne rausziehen. Ich hab die ganze Aktion also ohne Hebebühne oder Flaschenzug hinbekommen.
Der neue Motor (100 TKM alt) kam mit einigen Anbauteilen wie Wasserpumpe, Ölkühler, Krümmer, Ansaugbrücke, Kupplung etc. und wurde erstmal gründlich gereinigt. Dann habe ich alle Öffnungen verstopft und das ganze Teil mit Alumiumspray lackiert. Das Zeug ist klasse! Günstig, besteht aus 99,5% Aluminium, ist hitzefest und gibt eine geile Oberfläche, Aluminum eben. Auch die Ansugbrücke wurde gereinigt und lackiert. Das Getriebe habe ich vom alten Motor abgenommen und zum Waschcenter geschafft. Dort bin ich mit dem Hochdruckreiniger rangegangen, nachdem ich es mit Kaltreiniger eingesprüht hatte. So hab ich den Schmutz aus all den Ecken bekommen. Natürlich war auch hier eine Lackierung angesagt.
Der gesamte Motorraum wurde mit Hilfe von Kaltreiniger gesäubert und rostige Stellen wurden bearbeitet. Generell habe ich alle rostigen Stellen entrostet, mit Zink-lack lackiert und erst dann kam die Decklackierung. Das sollte ne Weile halten.
Alle Kabelstränge wurden ebenfalls geputzt und die Stecker einzeln gebürstet um optimalen Kontakt zu haben. Eine Heidenarbeit sage ich euch!
Die Lager der Antriebswellen habe ich auseinandergenommen, gereinigt und neu gefettet.
Alle Anbauteile wie Lichtmaschine, Anlasser oder Ölkühler wurden auseinandergenommen, gesäubert, lackiert und mit neuen Dichtungen versehen an den Motor geschraubt. Ventildeckeldichtung oder Zahnriemenabdeckung wurden mit hitzefestem schwarzen Lack behandelt. Schrauben, die verrostet waren oder beim Öffnen gelitten haben wurden selbstredend ausgetauscht. Ich war täglich 1-2 mal beim VW-Händler im Ort und habe Kleinteile und Dichtungen geholt. Die sprechen mich inzwischen mit Vornamen an.
Bei der Umbaugelegenheit habe ich auch gleich eine neue Kupplung für 80€ ersteigert und eingebaut. Fürs Zentrieren braucht man eigentlich ein Spezialwerkzeug aber die Leute bei VW haben mir gesteckt, daß Augenmaß völlig ausreicht und die das auch immer so machen.
Der Einbau des Ganzen war eigentlich genauso einfach wie der Ausbau und konnte von mir alleine ohne Helfer bewerkstelligt werden.
Und hier das Ergebnis:
Ein wenig ordentlicher als vorher, was?
Was so ein bisserl Lack alles ausmachen kann. Sorry übrigens für das blaue Ansaugrohr, ich konnt mirs nicht verkneifen...
Man sieht hier schön das lackierte Getriebe, das auch gleich eine neue Füllung mit Öl bekommen hat.
Jawoll! Ich wäre froh, wenns in meiner Küche so sauber wäre.. aber jetzt hab ich ja wieder Zeit.
Jaja, die messingfarben bemalten Keilriemenscheiben sind nicht jedermanns Sache, aber mir war das Blattgold ausgegegangen...
Hier kann man vielleicht den Effekt der Aluminum-Farbe erkennen. Sieht echt aus wie Alu, weils eben welches ist. Ist auch abriebsfest. Die Dauerhaltbarkeit wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Kommen wir zum Schluß. Funktioniert das Ganze denn? Jo! Tut es! Zwar klackert eines der Ventile ein wenig und eine der Ventilschaftdichtungen ist hinüber, sodaß er blau abbläst aber der Motor läuft und hat volle Leistung. Geht auch besser als mein alter Motor. Die Ventilschaftdichtungen werde ich noch austauschen, aber dazu muß der Zylinderkopf runter und das heb ich mir für die Semesterferien auf. Das schreckt mich aber inzwischen nicht mehr, ist ja alles ganz einfache Mechanik. der alte Motor wird von mir auseinandergenommen, neu gelagert und gedichtet und dann zur weiteren Verwendung auf Lager gelegt.
Wichtig ist nur, daß man beim Basteln mit gutem Werkzeug zur Sache geht! Es gibt nichts teureres wie billiges Werkzeug! Mit dem 40€ Ratschenkasten aus dem Baumarkt wäre ich hier nicht weit gekommen! Ich habe mir nach und nach ordentliche Stecknüsse und Schlüssel geholt und inzwischen bin ich was den Golf 2 angeht einigermassen komplett. Laßt lieber die Arbeit ruhen und besorgt euch die passende Stecknuß als rumzumurksen. Ich mußte bei der Aktion lediglich 2 Schrauben aufbohren, eine war kaum noch vorhanden, eine andere habe ich aus Versehen mit der falschen Nuß mißhandelt.
So, jetzt hab ich euch lang genug mit ewig langen Texten gequält. Wenn jemand Fragen hat oder Tips zum G2 braucht nur her damit.
Gruß
Fabian
PS: Falls ihr euch fragt, wie ich den mit Motoreöl getränkten K&N Luftfilter wieder sauber bekommen habe... Den hab ich in die Waschmaschine geschmissen und bei 60° gewaschen. Danach isser mit billigem Luftfilteröl von ATU neu geölt worden. Aber nicht an K&N oder irgendwelche Profis weiter verraten, die schlagen sonst die Hände überm Kopf zusammen. Funktioniert aber gut.