Ich möchte euch heute mal einen ganz besonderen Erfahrungsbericht niederschreiben.
Anfang der Woche fand ich ein interessantes Stellenangebot. Es suchte die Bundeswehr, ein Kontakt sollte telefonisch erfolgen.
Gesagt, getan. Angerufen und mit dem netten Herrn gesprochen. Der verwies mich an den Wehrdienstberater, der auf dem für mich zuständigen Kreiswehrersatzamt sitzt. Also kurz den mal angerufen und einen Termin für den ersten März bekommen.
Bei der weiteren Recherche nach dem Einstiegsdienstgrad, den mir der Herr des ersten Kontakts genannt hatte, fiel mir auf, dass am ersten März der Bewerbungsschluss für eine Einstellung zum ersten Juli. Fand ich natürlich nicht gut, weil mir mittlerweile bekannt war, dass eine Bewerbung nur mit Formularen möglich ist, die der Wehrdienstberater bereithält.
Nun dachte ich mir "Schau eben, wo man diese Formulare her bekommt!", was sich als schwieriger erwies als gedacht. Die Kollegen vom nächsten Kreiswehrersatzamt, die zwar nicht für mich zuständig sind, aber ja auch passende Auskünfte geben sollten, erwiesen sich als wenig kooperativ. Einzig der Verweis an den zuständigen Berater wurde gegeben.
Also wieder zur Internetpräsenz. Diese ist sehr auskunftsreich, zeigt die Bürozeiten in den Außenstellen auf und sogar eine passende Telefonnummer dazu. Prima dachte ich. Leider weit gefehlt. Die Telefonnummer war von einem privaten Unternehmen und half mir gar nicht weiter.
Da die Außenstellen Büros in den Arbeitsagenturen sind, wäre ein Anruf dort gut. Leider sind auch die Auskünfte auf deren Internetpräsenz (
www.arbeitsagentur.de - hier wurde die Stellenausschreibung gefunden!) nur unvollständig. Von der Agentur, in der ich den Berater antreffen wollte keine Telefonnummer. Die der übergeordneten Agentur war zu finden, half mir ja aber nicht, da ich ja den Berater direkt erreichen wollte.
Ein Anruf in der Agentur (Nummer dann bei
www.google.de gefunden) lies mich später erst stutzen. Dort sagte man mir, der Berater hätte am Nachmittag freie Sprechzeit. Meine Frage bezüglich des Wegs konnte nicht beantwortet werden, da meine Gesprächspartnerin nicht wie erwartet in der gesuchten Agentur saß, sondern in der Übergeordneten, die etliche Kilometer entfernt ist.
Gut, wir haben eine Zeit, eine Adresse. Also Unterlagen gepackt und ab auf den Weg. 40km später die Agentur erreicht. Dort wurde ich in den dritten Stock verwiesen. Ein Mitarbeiter auf dem Gang wusste, dass dieser Berater zuletzt im ersten Stock zu finden war. Die Suche von nahezu 20 Minuten Dauer blieb erfolglos. An der Rezeption dann ein Lichtblick. Dort wusste man, dass schon eine Nachfrage zum Wehrdienstberater aufkam, an diesem Tage. Leider wurde auf einem herumliegenden Blatt Papier lediglich "fällt aus" notiert.
Die Kopie dessen, auf der verschiedene Telefonnummern des entsprechenden - für mich zuständigen - Wehrkreisersatzamtes halfen mir nicht weiter - Anrufaufzeichner.
Die Entscheidung war schnell getroffen, ab zum Kreiswehrersatzamt! Die nächsten 25km waren nicht langweilig, ist ja ein Radio im Auto, Sprit kost' nix und dann fahren wir ja auch gern Auto.
Die Ankunft beim Amt ließ Hoffnung aufflammen. Dort stand doch tatsächlich auf einem Schild, dass bis 16 Uhr Sprechzeit ist. Blick auf die Uhr, 15 Uhr 12. "Jetzt gehts los" dachte ich.
Aber ihr ahnt es sicher schon. Ich schreib das hier ja nicht zum Spaß.
Der gute Mann am Eingang sagte die Wehrdienstberater sind nicht im Haus. Er könne auch nix annehmen. Ich solle mich im ersten Stock beim ABZ (Was hieß das doch gleich? Irgendwas mit Beratungszentrum wars doch +grübel+) melden. Dort traf ich drei Frauen an, die ungläubig schauten. Eine sprang mit den Worten "Ich geh schon ..." auf und kam die 2 Meter bis an den Tresen gelaufen.
Ihre Auskünfte beschränkten sich darauf, dass die Berater nicht im Haus seien. Auf meine Frage bezüglich der Bewerbungsfrist und den Bewerbungsformularen ebenfalls keine Hilfe.
Die einzige Hilfe die mir in die Hand gegeben wurde, war ein Zettel mit der Telefonnummer der Beratungsstelle 30 Kilometer weiter. Ich entschied mich den Weg nicht auf mich zu nehmen. Genug Kraftstoff vertrödelt, Karte hatte ich keine dabei und die Zeit war auch schon um. 16 Uhr scheint da Arbeitsschluss zu sein, so wenigstens die Mentalität auf dem Gang und das Schild vor dem Haus. Die 30 Kilometer hätte man vermutlich vor 16 Uhr eh nicht geschafft.
Die Fahrt nachhaus - weitere 25 Kilometer - belustigte ich mich über die erlebten Begebenheiten. Ich hätte heulen können, so traurig ist das für diese Institution. Immerhin halte ich jetzt eine Kopie in Händen, die das Kreiswehrersatzamt als Zentrum für Nachwuchsgewinnung (ZNWG) bezeichnet. Leider ist das Zentrum hier eben anders zu verstehen als in der freien Wirtschaft.
Eine Zusammenfassung ist denke ich nicht nötig. Ich möchte nur anmerken, dass man von der Internetpräsenz einen guten Eindruck gewinnt und denkt, die Bundeswehr sucht in der Tat qualifiziertes Personal. Beim konkreten Versuch stellt sich das aber irgendwie anders dar. Schade.
Mein Vorhaben eine Bewerbung abzugeben ist indes noch vorhanden, der Termin am Stichtag steht ja. Ich möchte hoffen, dass dort eine Bewerbung direkt möglich ist und noch für den relevanten Termin gilt. Warten wir mal ab, was da noch alles passiert ...
Nachdenkliche Grüße, Seb